Eine Stunde Lieferwagen für einen Fünfliber: Private und Unternehmer in Zürich können ab Februar elektrische Transporter per App mieten Die Stadt unterstützt das Pilotprojekt mit rund 40 000 Franken.

Die Stadt unterstützt das Pilotprojekt mit rund 40 000 Franken.

 

In Bern, Basel und Lausanne sind die elektrischen Kleintransporter bereits seit 2021 im Einsatz. Seit Februar gibt es das Angebot auch in Zürich. Bild: PD

Zürich ist eine ÖV-Stadt: Über die Hälfte der Haushalte besitzen kein eigenes Auto. Doch es gibt Situationen, in denen man mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Grenzen stösst.

Wer Möbel transportieren muss, ist meist auf ein grösseres Auto oder einen Lieferwagen angewiesen. Auch Gewerbebetriebe, die ihre Kunden mit Waren beliefern, kamen bisher kaum um ein eigenes Fahrzeug herum – auch wenn sie dieses nur einmal pro Woche brauchen. Für sie gibt es nun eine Alternative namens «Smargo».

Smargo steht für «Shared Micro Cargo». Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt der Mobilitätsakademie des Touring-Clubs Schweiz (TCS). Die Idee: Wer ein grösseres Fahrzeug braucht, kann sich den Lieferwagen zum Stundentarif ausleihen. In Bern, Basel und Lausanne sind die elektrischen Kleintransporter bereits seit 2021 im Einsatz. Ab Februar gibt es das Angebot auch in Zürich.

Die Smargo-Kleintransporter sind zwar nur 130 Zentimeter breit, können aber Ladungen bis zu einer Tonne transportieren. Die Ladefläche ist verhältnismässig geräumig, selbst ein kleines Sofa könnte man transportieren. In der Fahrerkabine hat es Platz für zwei Personen.

Die Kundinnen und Kunden zahlen pro Stunde fünf Franken. Hinzu kommt eine einmalige Buchungsgebühr von ebenfalls fünf Franken. Alles was man braucht, sind ein Führerschein und die App «carvelo2go». Über die App lassen sich die Fahrzeuge reservieren.

Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP) stellte Smargo am Montag im Rahmen einer Medienkonferenz vor. Sie erklärte, das Projekt sei ein weiterer Beitrag der Stadt, um die Klimaziele zu erreichen. Zürich beteiligt sich mit insgesamt 37 500 Franken an Smargo. Für Brander sind die mietbaren Kleintransporter nicht nur aus ökologischer Sicht sinnvoll: «Die Kosten sind tiefer als bei einem eigenen Fahrzeug, und sie brauchen weniger Platz.» Letzterer sei besonders in Zürich begrenzt, weshalb es ihn möglichst gut zu nutzen gelte, so die Stadträtin.

Nicht nur Simone Brander rührte am Montag die Werbetrommel für das Mobilitätsprojekt. FDP-Kantonsrat Marc Bourgeois sprach in seiner Funktion als Präsident der TCS-Ortsgruppe Zürich Stadt von einer bevorstehenden «Verkehrsrevolution». Die Mobilität werde sich grundlegend ändern. Man müsse sich herantasten und neue Dinge ausprobieren. Dazu gehörten auch Pilotprojekte wie jenes mit den elektrischen Kleintransportern, von Bourgeois «lässige kleine Flitzer» genannt. Dass solche Projekte am Anfang nicht selbsttragend seien, liege in der Natur der Sache.

Kleintransporter beim Lochergut und in Zürich-Oerlikon

Zürcherinnen und Zürchern können ab Anfang Februar vorerst zwei Fahrzeuge der Marke Goupil mieten. Speziell an Smargo ist, dass die fixen Parkplätze jeweils von lokalen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. In Zürich gibt es zwei Standorte: Einer befindet sich beim Grand Café Lochergut im Kreis 4, der andere beim Granel Zero Waste Store in Zürich-Oerlikon.

Als Gegenleistung für die zur Verfügung gestellten Parkplätze dürfen die Betriebe die Fahrzeuge für eigene Zwecke kostenlos nutzen. Laut Jonas Schmid, Projektleiter bei der Mobilitätsakademie des TCS, handelt sich in den anderen Städten nur bei einem Drittel der Nutzer um Gewerbebetriebe. «Aber sie nutzen die E-Transporter regelmässiger als Private.» Besonders beliebt seien die Fahrzeuge bei kleinen Produktionsbetrieben wie Kaffeeröstereien sowie bei Gastronomiebetrieben.

Die kleinen Lieferwagen sind zwar klimafreundlich und platzsparend – aber mit 45 km/h sie sind auch langsam und deshalb nur für kurze Strecken geeignet. Es ist aber nicht verboten, die Stadt Zürich zu verlassen. Schmid sagt, in Bern habe es schon Leute gegeben, die mit dem Kleintransporter 20 Kilometer zum Ikea-Laden in Lyssach und wieder zurück fuhren.

Städte stehen vor logistischen Herausforderungen

Was die Logistik betrifft, steht Zürich in mehrerlei Hinsicht vor Herausforderungen. Während die Stadt mit dem Projekt «Smargo» neue Ansätze für den privaten Güterverkehr sucht, legte der Kanton im vergangenen September ein Konzept für den Güterverkehr und die Logistik vor. Es geht vor allem darum, die steigende Paketflut zu bewältigen.

Der Online-Handel – und damit auch die Zahl der verschickten Pakete – nimmt in der Schweiz seit über zehn Jahren stetig zu. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch befeuert. Glaubt man den Prognosen des Bundes, werden die Lieferungen künftig noch mehr zunehmen.

Das Logistik-Konzept des Kantons Zürich hat eine möglichst effiziente und umweltschonende Versorgung mit und Entsorgung von Gütern zum Ziel. Durch die Bündelung von Transporten, das heisst durch die optimale Auslastung von Fahrzeugen, will der Kanton den wachsenden Warentransport bewältigen und die nötigen Fahrten gleichzeitig eindämmen.

 

Während die Zahl der Lastwagen konstant geblieben ist, hat die Zahl der Lieferwagen in der Schweiz in den vergangenen Jahren zugenommen. An dieser Statistik werden auch die beiden Miet-Transporter in der Stadt nichts ändern.

Matthias Niederberger, «Neue Zürcher Zeitung»

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